Mehr Lebensqualität in Reute
Mit einem Aktionsplan für Mobilität, Klima- und Lärmschutz soll die Gemeinde noch verkehrssicherer und lebenswerter werden
Ein großer Arbeitgeber im Ort verdoppelt Fläche und Belegschaft. Für die Verkehrsinfrastruktur kleiner Gemeinden eine große Herausforderung. Abhilfe schafft ein Aktionsplan für Mobilität, Klima- und Lärmschutz. Diesen erarbeitet ein Team von endura kommunal – gemeinsam mit der Gemeinde Reute, dem Ingenieursbüro Modus Consult und engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Die Resonanz vor Ort ist groß, erste Verbesserungen lassen sich bereits erahnen. Ende des Jahres liegen die Ergebnisse vor.
Es ist einer der ersten sonnigen Frühlingstage, an dem sich Lara Hölting und Jooris Preiser von endura kommunal auf den Weg nach Reute machen. In der kleinen Gemeinde mit 3.000 Einwohnenden im Landkreis Emmendingen, in der Rheinebene zwischen dem Kaiserstuhl und dem Schwarzwald gelegen, steht Ende März ein ganz besonderes Ereignis an. Sie treffen auf 12 hochmotivierte Bürgerinnen und Bürger, Kommunalverantwortliche und Bürgermeister Michael Schlegel – den neu geschaffenen Arbeitskreis Mobilität.
Die Herausforderung: eine Verdopplung des Pendelverkehrs
Das gemeinsame Ziel des Tages: erste Ideen und Impulse für den „Aktionsplan für Mobilität, Klima- und Lärmschutz" sammeln, der die Lebensqualität vor Ort weiter verbessern soll. Denn: Die Gemeinde rechnet mit einem deutlich größeren Verkehrsaufkommen. Das im Ort ansässige Unternehmen SICK will seine Fläche und die Zahl der Mitarbeitenden etwa verdoppeln.
Gemeinde spart Kosten ein – etwa bei der E-Ladeinfrastruktur
Schlegel wendet sich an endura kommunal. Der Kontakt besteht durch die Beratung beim Aufbau einer Frelo-Station in der Gemeinde. ,,Der Aktionsplan bietet die Möglichkeit, alle bisherigen Mobilitätsthemen einer Kommune zu bündeln und mögliche Verbesserungen aufzuzeigen", sagt Lara Hölting, Projektleiterin bei endura kommunal (Schwerpunkte in Reute: Rad- und Fußverkehr, Querungen). Das Ziel ist die Erarbeitung zeitlich gestaffelter Maßnahmen, welche die Mobilitätssituation in den kommenden Jahren ganzheitlich verbessern – und das unter Beteiligung der Bürgerschaft. Das Team profitiert vom langjährigen Erfahrungsschatz: Expertise fließt beispielsweise aus dem Radverkehrskonzept für die Stadt Altensteig in den Aktionsplan mit ein. Dank der Erfahrung von Jooris Preiser (Schwerpunkte in Reute: Parken, ÖPNV, E-Mobilität), ebenfalls Teil des Mobilitätsteams bei endura kommunal, erhält die Gemeinde Reute attraktive Angebote für den Aufbau und Betrieb von E-Ladesäulen.
Die Devise: erst zuhören, dann handeln
Anfang 2025 geht es los. Hölting und Preiser analysieren während einer ersten Begehung und in Gesprächen mit Schlegel die Mobilitätssituation vor Ort. Das GIS-Team [GIS: Geoinformationssystem] von endura kommunal erstellt flankierend Karten zu Pendlerströmen, Mobilitätsangeboten, Radwegen und Ouerungen. Die Mitglieder des Arbeitskreises liefern Ende März wertvolle Impulse und Ideen in den Bereichen Fuß und Radverkehr, Parken sowie Ouerungen. ,,Die größte Herausforderung ist, die Erwartungen nicht zu enttäuschen und alle Interessen zusammenzuführen", sagt Hölting. Denn Gesetze, Regeln und Zuständigkeiten limitieren den Einfluss des Aktionsplans.
Thema Nummer eins: Verkehrssicherheit
Es zeigt sich: ,,Das wichtigste Thema für die Bürgerinnen und Bürger ist die Verkehrssicherheit", sagt Hölting. Wie in vielen Kommunen im Land dominiere eine Ortsdurchfahrtsstraße den Verkehr in der Gemeinde – mit Auswirkungen auf den Rad- und Fußverkehr. Da es sich um eine Kreisstraße handelt, sind die Einflussmöglichkeiten begrenzt. Derzeit entwickelt das Mobilitätsteam die Maßnahmenvorschläge. Was ist zu erwarten? ,,Die Einrichtung von Fußgängerüberwegen und der Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur werden ziemlich sicher unter unseren Maßnahmenvorschlägen sein", kündigt Preiser an. Parallel arbeitet Modus Consult an der Lärmaktionsplanung.
Passgenaue Lösungen für Kommunen im ländlichen Raum
Ende Juli besprechen Hölting und Preiser die Vorschläge mit dem Bürgermeister und den Mitgliedern des Arbeitskreises. Das Feedback fließt in den Maßnahmenkatalog ein. Im Spätsommer stößt unser Mobilitätsteam dann die ersten schnell zu realisierenden Maßnahmen an. Dies können beispielsweise vorbereitende Zählungen für die Einrichtung eines Zebrastreifens sein.
Das Ziel ist, dass der Gemeinderat den finalen Aktionsplan noch dieses Jahr verabschieden kann. Zuletzt legen Hölting und Preiser gemeinsam mit dem Arbeitskreis fest, wie der Fortschritt der Maßnahmen überwacht werden kann.
„Die Lärmaktionsplanung leistet einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung und zu einem gesunden, lebenswerten Umfeld für alle.“
Sabine Heuer, Dipl. Umweltwissenschaftlerin bei Modus Consult
Wie läuft die Lärmaktionsplanung ab?
Zunächst wird der Umgebungslärm mithilfe von Lärmkarten erfasst und analysiert. Auf dieser Grundlage erstellen die Kommunen – unter Beteiligung der Bürgerschaft – einen Maßnahmenkatalog zur Lärmminderung, der alle fünf Jahre überarbeitet werden soll. Ein enger Austausch zwischen endura kommunal und Modus Consult gewährleistet, dass die jeweiligen Erkenntnisse in die Maßnahmenvorschläge beider Seiten einfließen.
Mehr zum Thema
Interview mit Sabine Heuer von Modus Consult
Aktionsplan für Mobilität, Klima- und Lärmschutz
Der Aktionsplan ist ein Instrument, das sich insbesondere an kleinere und mittlere Kommunen mit bis zu 50.000 Einwohnenden des Landes Baden-Württemberg richtet. Durch die Kombination von Klima- und Lärmschutz werden Synergien zwischen beiden Planungsansätzen genutzt. Über die Förderung qualifizierter Fachkonzepte kann die Erstellung eines Aktionsplans für Mobilität, Klima- und Lärmschutz durch externe Dienstleister mit bis zu 75 Prozent der Kosten gefördert werden.
Quelle und mehr Informationen:
Webseite der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg
Projektteam
Lara Hölting, Projektleiterin
Schwerpunkte in Reute:
Rad- und Fußverkehr, Querungen
Jooris Preiser, Projektmitarbeiter
Schwerpunkte in Reute:
Parken, ÖPNV, E-Mobilität
Unser Auftrag
Erstellung eines Aktionsplans für Mobilität, Klima- und Lärmschutz